Die Reise beginnt um 6:30 Uhr, mit dem Lösen eines S-Bahn-Fahrscheins zum Münchner Flughafen für 19,60 Euro. Im Moment wundere ich mich noch nicht über den Preis, vielleicht ist es zu früh und immerhin können für die 19,60 Euro ja bis zu 5 Personen mitfahren. Schade, dass wir nur zu zweit sind. Weiter geht es mit dem Flug LH1824 von München nach Bilbao, wo wir pünktlich um 11:20 Uhr landen. Das Frühstück ist noch das Spannendste, was der Flug zu bieten hat und so lese ich im Pyrenäenbuch von Kurt Tucholsky.

Hinter mir die glatte, große, geteerte Automobilstraße, die von Biarritz nach San Sebastian führt, nun schlängelt sie sich ans Meer, und links, im Osten, liegen die blauen Berge: die Pyrenäen, Sie sind nicht allzu hoch – ihre Linien sind sanft geschwungen, der scharfe Grat ist hier selten, und alle Kuppen sind rund. Es ist wie erstarrte Musik in diesen Höhenzügen. Bei Hendaye stoßen die letzten Ausläufer fast ans Meer. Wir fahren an der Küste entlang„, schreibt er* über seine erste Begegnung mit den Pyrenäen. Ich blicke aus dem Fenster und sehe nur Wolken. Erst kurz vor Bilbao reißt die Wolkendecke kurz auf und zeigt ein paar grüne Hügel. Ich mache mir ein bisschen Sorgen um das Wetter.

Vom Flughafen – er heisst Bilbo-Loiuko aireportua – fahren wir mit dem Bus der Linie L3247 in die Innenstadt. Seltsamerweise will der Fahrer partout nur 2,60 Euro … für beide zusammen … naja, aber immerhin darf man auch nicht so lange sitzen, denn die Fahrt ist kurz und schmerzlos.

Leider fahren wir bis zur Endhaltestelle, dem Busterminal, was für unser Hotel etwas zu weit ist.

Wir pilgern also mit den Rucksäcken bepackt über die Autonomia Kalea (Calle Autonomia) zur Plaza Zalálburu, wobei es ziemlich ungewöhnliche Häuser zu bestaunen gibt … für Bauingenieure sicher interessant.

Es ist hier weder besonders schön, noch besonders hässlich. Jedenfalls ist das Hotel leicht zu finden. Leider können wir unser Zimmer noch nicht beziehen und so stellen wir die Rucksäcke in den Gepäckraum und erkunden erstmal die Stadt.

Gleich in der Nähe, in der Calle de San Francisco, gibt es Würste und Obst zu kaufen. Unsere Mienen heitern sich auf und auch das Wetter wird gleich etwas wärmer

Zum Frühstück gibt es ein Bocadillo con Jamon y un Café con Leche und anschliessend einen ersten Spaziergang zum Guggenheim Museum, das montags (wie alle Museen) geschlossen hat.

Der Spaziergang lohnt sich trotzdem, denn der Blick auf das von Frank Gehry entworfene Gebäude ist schon von außen eine Reise wert. Gehry hat übrigens auch den noch im Bau befindlichen Bahnhof Barcelona Sagrera entworfen, der 2012 fertig werden soll.

Der Blumenhund des New Yorker Künstlers Jeff Koons bekommt gerade eine Rasur.

Kein Wunder, denn bei diesem Wetter wächst jeder Bart schneller.

Auch die Spinnen schiessen ins Kraut, aber der Rundgang ist ungefährlich.

Vorbei an riesigen Spiegelmurmeln, die ihren wahren Reiz erst aus der Nähe zeigen (wenn ich reingucke!).

Dann über die Pasarela Zubi Zuri zur anderen Seite des Flusses …

… und entlang dem Paseo Campo de Volantín in Richtung Altstadt.

Alles voller wunderschöner Häuser hier und Läden, aber während der Mittagszeit ist alles geschlossen. Man sollte jetzt vielleicht mal etwas Essen gehen.

Die Häuser sind hübsch, aber wir können uns für kein Restaurant so richtig erwärmen.

Schliesslich kaufen wir im Casa del Yogur einen Liter Milch, den man sich selber mittels eines kuhförmigen Hebels in eine mitgebrachte (oder dort für 35 Cents gekaufte) Flasche abfüllt (75 Cents pro Liter) und Joghurt von La Ermita, der ganz lecker schmeckt (85 Cents pro Glas).

Ein kulinarischer Ausflug ist das nicht. Die Stadt kann nichts dafür, es gibt sogar essbare Simpsons, die sich mir aber verdauungstechnisch irgendwie nicht erschliessen.

Überall lachen uns Restaurants an, bloss nicht die richtigen. Das Kriterium muss allerdings erst noch erfunden werden. Vielleicht haben wir einfach keinen Hunger.

Also ich schon, aber vielleicht ist es einfach noch zu früh. Wir sind ja physiologisch irgendwie noch in München, bei Schweinshaxn und Bier.

Und so schlendern wir weiter durch die Gassen und zwischen geschlossenen Museen hindurch (es ist noch immer Montag) …

… bis wir vor einem Laden voller Schinken und Salamis stehen, der – obwohl kein Museum – auch geschlossen ist.

Wir beschliessen einen Ausflug ans Meer zu machen, sobald wir unser Zimmer bezogen haben und überqueren eilends den Fluss.

Durch die angeblich lebensgefährliche Calle de San Francisco schleppen wir uns zurück zum Hotel.

Nicht ohne unterwegs den Bahnhof zu bestaunen …

… und die Architektur rund ums Hotel.

Wir checken kurz ein, lassen uns im Hotel beraten und ziehen mit Stadtplan und Informationen bewaffnet wieder los. Hier geht die Straße runter zum Busterminal.

Und das hier ist die Hurtado de Amezaga Kalea runter zur Biribila Plaza, wo wir in die Metro einsteigen. Es gibt ein Ticket für 5 Euro, das man auch zu zweit abfahren kann. Man steckt es einfach in den Schlitz und nimmt es wieder raus, dann öffnet sich die Sperre und das Geld wird abgebucht. Die 5 Euro reichen für zwei ans Meer und wieder zurück und am nächsten Tag noch für einen zum Busterminal. Ich muss wieder an die Fahrkarte zum Münchner Flughafen denken – für 19,60 Euro.

Mit der Linie 1 fahren wir bis Areeta und gehen von dort zu Fuß zu Bilbaos UNESCO Weltkulturerbe: zur Puente Vizcaya.

Diese von einem Schüler Eiffels gebaute Brücke wird gerade renoviert und ist leider eingerüstet.

Man muss zunächst mit einer Gondel auf die andere Flußseite fahren und kann dort in einem winzigen Aufzug nach oben.

Es ist ziemlich hoch, aber auch für nicht ganz schwindelfreie geeignet.

Immerhin sieht man von dort oben das Meer, den Hafen …

… die schwebende Gondel …

… und die Stadt.

Entlang der Areeta Kaia wandern wir zu einem kleinen Hafen, wo es angeblich gute Restaurants geben soll.

Der Hafen ist zwar hübsch anzusehen, aber die Restaurants gefallen uns nicht.

Wir fahren also zurück in die Stadt und suchen ein Restaurant, was seltsamerweise gar nicht so einfach ist.

Wir enden hier im Asador Inn, wo zwar Schinken von der Decke hängen, aber das Essen trotzdem nicht so gut ist wie man wünschte.

Ich glaube nicht, dass das Restaurant etwas dafür kann. Es gibt Kabeljau und Kalbsbäckchen in baskischer Paprikasauce, aber so richtig will uns heute nichts schmecken. Es war eben ein anstrengender Tag.

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