Das Panoramenspektakel reisst uns früh um 6 Uhr aus dem Bett, aber das Ganze entpuppt sich als instabil.

Mit etwa 40 m Sicht im Nebel steigen wir weglos zwischen Felswänden über klatschnasse Wiesen ab, was etwas stressig ist.

Gottseidank haben wir gestern den Weg etwas erkundet und – falls wir uns nicht irren – ist hier kein Absturz möglich. Aber es ist nass und ziemlich kalt.

Unten im Tal hellt es etwas auf, aber wir sind doch froh auf Peter (mit seinem GPS) und Viktor zu stossen, die einen schöneren Weg abgestiegen sind und erst bei der Durchquerung des Baches nasse Füsse kriegen.

Es geht ziemlich steil durch ein Couloir nach oben, aber unschwer und ziemlich hübsch.

Trotzdem wäre es natürlich nett, wenn man ein bisschen was sehen könnte, aber damit ist vorläufig nichts.

Wir steigen durch wunderschöne Enzianwiesen höher, aber mit Biwakieren ist hier nichts, denn es ist hier ziemlich steil und ausserdem ist es natürlich noch viel zu früh.

Man bekommt direkt Lust sich mal abzutrocknen in dem Nebel. Es ist doch sehr feucht, aber warm wird mir schon.

Dann reissen plötzlich die Wolken auf und Peter und Viktor spurten von dannen.

Bald sieht man den Pic du Midi d’Ossau über blühendem Rhododendron aufragen.

Mir scheint es jetzt doch Zeit für ein Nickerchen am Lac de Peyreget.

Dan treibt uns der Ehrgeiz weiter, hoch zum Col zwischen Pic de Midi und Pic de Peyreget.

Oben wird es ziemlich wüst, aber interessant.

Auch ein paar Schneefelder sind dabei, die man aber unschwierig überqueren kann.

Einstweilen ziehen unten Schafe ins Tal. Kaum zu glauben, dass wir hier hoch gestiegen sind.

Endlich erreichen wir den Pass, wo uns kalter Wind in alle Knochen pfeift.

Ein paar Hundert Meter tiefer sieht man, bei genauem Hinsehen, die Refuge de Pombie. Dort werden wir vor dem weiteren Abstieg ins Tal erstmal zu Mittag essen.

Der Abstieg führt an einem kleinen See vorbei, an dessen Ufern Viktor liegt und schläft. Ich rase vorbei, ohne ihn zu erkennen.

Dann endlich die Refuge de Pombie, wo es Suppe von wildem Spinat, Omelette und frisch gebackene Plätzchen zum Essen gibt. Dazu eine Flasche Wein, die zum Teil allerdings in underem Gepäck verschwindet – für später. Der Abstieg zur Cabane de Soques führt uns zunächst in die Irre. Ein paar spanische Kletterer, die vor der Hütte Marihuana rauchen, weisen uns den Weg in Richtung Tal – zum Col de Pourtalet, wie wir leider zu spät merken. Von oben sieht man unten im Tal ein Radrennen samt Tross den Berg hochkeuchen, das letzte was wir jetzt brauchen. Wir steigen also wieder schräg ab durch die Wiesen, bis wir endlich den Weg wieder finden. Dann durch ein Wäldchen ins Tal, wo wir nach einem gemütlichen Abendessen zwischen Felsen und Kuhfladen ein schräges Biwak aufbauen.

Unmöglich für mich im Zelt zu schlafen. Silke schlägt vor, dass ich alleine per Autostopp ins nächste Dorf nach Gabas trampe und mir dort ein Zimmer im Hotel nehme, aber dazu bin ich zu faul. Außerdem fürchte ich mich. Lieber friere ich im Biwaksack und nebst der nächtlichen Temperturen sinkt auch meine Laune auf unter Null.

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