Der Tag beginnt, wie der letzte aufgehört hat – gut gelaunt in bestem Wetter. Wir frühstücken viel zu spät, um 9 Uhr, Milchkaffee und Marmeladenbrot, diskutieren mit Javier und seiner Frau die beste Route und lernen Thierry kennen. Er plant diesselbe Route wie wir zu gehen.

Der Weg zum Col d’Arrémoulit führt unschwierig über Schneefelder nach oben und der Hüttenwirt hat uns versichert, dass keine Steigeisen erforderlich sind.

Oben auf dem Pass holt uns Thierry wieder ein, was sich als Glücksfall erweisen wird.

Der Enzian ist schon fast ein bisschen kitschig und gaukelt eine Lieblichkeit vor, die sich gleich zerschlagen wird.

Gegenüber sieht man die Südwestflanke des Balaitous und tief unter uns die Lacs d’Arriel.

Das ist alles schön anzusehen, erweist sich aber als ziemlich steiler Abstieg, bei dem man durchaus die Hände aus den Hosentaschen nehmen muss. Bei schlechtem Wetter oder Nebel keinesfalls zu empfehlen!

Die Route ist zwar nicht ausgesetzt, führt aber steil durch teilweise wackeliges Granitgeröll, in das man nicht unbedingt kopfüber reinstürzen möchte. Bei vernünftiger Sicht und Trockenheit für geübte Bergwanderer aber gut machbar.

Ich geniesse es aber schon, dass Thierry selbstbewusst vorausgeht und den Pfadfinder für uns spielt, denn es ist eine der steilsten Passagen unserer Tour.

Außerdem macht er ein schön mulmiges Foto von uns.

Als wir nach zwei Stunden die Seen endlich erreicht haben und ein einsames Bad im eisigen Wasser nehmen, sind wir aber doch alle ziemlich erleichtert. Über uns tront die Südwand des Palas.

Ab hier entschädigt die Route für jede Qual. Vorbei an eisigen Bergseen staunen wir uns durch ein immer schöner werdendes Panorama.

Dieser Enzian muss aus dem Kitschuniversum ausgebrochen sein. Im Hintergrund die mächtige Flanke des Palas, die rund 700 m zu uns abfällt.

Hin und wieder begegnet man wild aussehenden Basken, die sich ständig selbst fotografieren.

Bei einigen wild wirkenden Schneebrücken riskiert man höchstens nasse Füße.

Silke macht das nicht etwa mit Steigeisen, sondern in Turnschuhen – was keinesfalls eine Empfehlung sein soll.

Durch dieses Nadelöhr gelangt man plötzlich in ein neues Tal, das wirkt, wie eine andere Welt.

Alles wirkt hier idyllisch, lieblich und warm.

Ein vorläufiges Abschiedsfoto mit Thierry, der von hier an voraus zur Hütte eilt.

Wir wollen ein bisschen trödeln, von einer Postkartenansicht zur nächsten.

Also das ist doch nicht normal! Jetzt blüht auch noch der Rhododendron. Den Gefallen hat er uns in Nepal nicht getan.

Mit 100 km Fernsicht, wie man meint, kommt unten am Embalse de Respumoso die Refugio in Sicht. Hundert Kilometer waren es jetzt nicht, aber trotzdem noch ganz schön weit.

Nicht einmal die Hütte enttäuscht.

Überall freundliche und offenbar auch zufriedene Leute.

Und vor allem ein Clara Limón, auch wenn Silke nicht glauben will, dass dies so heisst. Ich habe jetzt aber sogar ein Forum hierzu gefunden.

Das beste ist aber das Abendessen mit Thierry. Er erzählt von Luis de Funes und der Hitlerszene in seinem Film Le Grand Restaurant. Thierrys Philosopie sei, so sagt er, „vas où tu veux, meurs où tu dois“. Stirb wo Du musst, aber gehe wohin Du willst.

Aber genau da sind wir doch – oder?

Advertisements