Für heute nachmittag sind Gewitter angesagt und das Wetter soll die nächsten 1-2 Tage schlecht werden. Wir beschliessen deshalb nach Cauterets in Frankreich zu flüchten, um dort besseres Wetter abzuwarten. Um halb neun brechen wir auf in Richtung Col de la Fache, nachdem der Hüttenwirt uns versichert hat, es sei vermutlich auch ohne Steigeisen möglich.

Der Aufbruch gestaltet sich gar nicht so einfach. Einige Bäche sind zu durchqueren und Thierry, der schon voraus geeilt war, hat sich verlaufen und kommt wieder zurück.

Ansonsten geht es aber schon weiter und der Weg ist leicht zu finden. Wir sorgen uns ein wenig um Viktor, da er nicht im Refugio aufgetaucht war. Inzwischen, so hat mir Peter geschrieben, ist er aber heil in die Schweiz zurück gekehrt.

Schließlich wird der Weg etwas steiler und führt an einem reissenden Bach vorbei, der unter einem Schneefeld fließt.

Das Wasser dieses Baches ist nicht nur reissend, sondern eiskalt. Die Durchquerung wird ein ziemlich frisches Unterfangen. Das Foto stammt übrigens von Thierry.

Das wichtigste Ausrüstungsstück bei diesem Unterfangen sind Flipflops. Ein Paar reicht für zwei Personen, wenn man werfen kann.

 

Schließlch verschwindet Thierry wieder am Horizont und wir vermuten, ihn nie wiederzusehen.

Die Schneefelder hoch zum Col de la Fache erweisen sich als unschwierig, aber lang und anstrengend.

Wenigstens ist noch immer schönes Wetter, aber Silke hat irgendwo ihre Sonnenbrille verloren und der Schnee ist ziemlich hell.

Irgendwann sind wir dann endlich oben, wo der Wind ziemlich eiskalt pfeift. Das Wetter beginnt sich jetzt deutlich zu verfinstern. Erstaunlich, wie gut heutzutage die Prognosen sind.

Daran ändern auch die hübschen Bonsailandschaften auf jedem Erdfleck nichts.

Sieht aus, als stürzt sich Silke aufgrunde dieser Erkenntnis angsterfüllt ins Tal. :o) Stimmt aber nicht. Ich muss sie hinunter scheuchen.

Spektakuläre Szene mit Gletscherspalten. Naja, Gletscherspalten nicht gerade … aber gefährliche Murmeltier am Wegesrand.

Ob die einen anfallen, wenn sie Hunger haben?

Es geht unschwierig über Schneefelder abwärts, was nach dem Aufstieg eine ziemliche Erleichterung ist.

Nach ein paar hundert Höhenmetern wird es wieder unverschämt lieblich und es duftet überall nach Thymian und Bergwiesen.

Gleichzeitig bestätigt sich die Wettervorhersage. Es beginnt zu Donnern und zu Grollen.

Als die Refuge Wallon in Sicht kommt, beginnt es zu Regnen. Blöderweise wirkt die Hütte näher als sie ist.

Die ersten Meter durch das idyllische Marcadau-Tal gestalten sich deshalb ziemlich feucht.

Als wir in der Hütte sitzen, wo uns Thierry anlacht, schüttet es in Strömen.

Wir bestellen ein Radler und Confit de Canard, der wirklich gut schmeckt. Die Hütte wirkt allerdings etwas unpersönlich, obwohl die Crew ganz nett zu sein scheint.

Da es nicht aufhören will zu regnen und wir keine Lust haben, hier in der Halbzivilisation die Regenzeit zu überdauern, gehen wir weiter.

Es ist sehr weit und sehr nass und sehr idyllisch. Ein wunderschönes Tal.

Als wir fast unten und ziemlich nass sind, scheint die Sonne wieder. Gott sei Dank – im doppelten Sinn.

Langsam sehe ich aus wie der letzte Bergschrat. Es wird Zeit, dass wir eine richtige menschliche Siedlung erreichen – mit Barbier und Maniküre und so … .

Unglaublich, wie die Wassermassen sich gebärden, sobald das ruhige Flüsschen sich mal durch ein Nadelöhr aus Fels zwängt.

Und die Farben wirken fast ein bisschen unrealistisch. Was ist das überhaupt für eine Pflanze?

Endlich, die Pont d’Espagne. Von hier soll ein ‚Navette‘ nach Cauterets runter fahren. Leider aber erst im Juli und wir haben noch Juni. Mist. Es sind noch ein paar Kilometer und wir sind wirklich am Ende mit der Kraft. Dann nimmt uns aber ein freundliches Paar vom Parkplatz aus mit, denen wir kurz zuvor angeboten haben, ein Foto von beiden zu machen (eigentlich ein guter Trick: Höflichkeit & Autostopp).

Als ich kurz darauf in Cauterets sitze und auf die Rucksäcke aufpasse, während Silke ein Zimmer sucht, sitzt mir der Schreck in allen Gliedern. Um ein Haar wäre das Ehepaar hocherfreut mit meiner vergessenen Kamera und allen Urlaubsfotos auf und davon gefahren.

Kurz darauf ist die Welt wieder im Lot. In der Pension Dulaut, ein paar Meter vom Zentrum entfernt, gibt es ein wunderbares Zimmer für 42 Euro pro Nacht.

Einkaufen im Supermarkt … Wäshleine aufspannen … Schlafsäcke und Kleider zum Trocknen aufhängen …

… Bett verenden … gute Nacht.

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