Die Fête de la Saint-Jean (um den 24. Juni) in Gavarnie war besser als es klingt. Man zahlt Eintritt, 15 Euro wenn ich mich recht erinnere, aber dabei sind beliebig viele Lammkoteletts, Merguez und andere Bratwürste und Fleisch eingeschlossen, nebst Salaten, Kuchen und Wein soviel man trinken kann.

Wir verbringen den Abend mit Jean-Pierre, einem Bergführer aus Bayonne, sowie Elisabeth und Michael aus England, die mit einem zum Wohnmobil umgebauten roten Postauto unterwegs sind.

Wir reden Unfug, essen Koteletts und trinken Roséwein von den Côtes de Saint-Monts.

Im Halbdunkel wird Nachschub gegrillt und ein nicht enden wollender Wurstschwall ergießt sich über die Tische.

Die Wurstverteiler nennen sich Brigade gegen den Durst, obwohl man den Wein selbst holen muss. Vielleicht meinen sie das Bratfett, wobei die Würste und Lammkoteletts sehr lecker sind.

Plötzlich Aufbruchstimmung. Alle rennen los, irgendwo in die Finsternis und wir hinterher.

Niemandem ist so ganz klar was das werden soll, aber dort hinten scheint irgend etwas stattzufinden.

Ah! Dort unten wird ein Feuer entzündet. Die Leute stehen eine Viertelstunde gespannt herum.

Es will nicht recht brennen, das Feuer, und züngelt gelangweilt vor sich hin.

Dann plötzlich ändert es seinen Sinn. Die Flammen fauchen jetzt 10 m in die Höhe und man spürt die Hitze bis zu uns.

Jetzt fangen einige Leute an zu singen und es kursieren bedruckte Zettel mit den Texten.

Das Feuer ist begeistert und wird jetzt immer größer. Se canti, singen die jungen Leute wunderschön:

Se canti, you que canti, canti pas per you

Canti per ma mie, qu’est auprès de you

Debat ma fenestre qui a un aouselou

Toute la noeyt cante, cante sa cansoun

Acquerres mountagnos que tan haoustes soun

M’empechen de bedemis amous oun soun

Bachata be mountagnos, planes haoussate be

Per que puci bede lou mey am ou oun e

Acquerres mountagnos que s’abacheran

E mis amourettes qu’en demoureran.

Das Feuer bäumt sich auf in wilder Begeisterung. Der Gesang will gar nicht enden.

Was wird auf diesem Scheiterhaufen verbrannt?

Schliesslich stürzt das flammende Inferno in sich zusammen und glüht dunkelrot zu uns herauf.

Plötzlich huschen schemenhafte Gestalten durch die glühende Szenerie.

Die jungen Männer beisen ihren Mut, indem sie mitten durch den Feuerhaufen rennen.

Der ist alles andere, als kalt.

Als dann die ersten Mädchen durchs Feuer getragen werden bin ich beeindruckt und froh, dass keine davon meine Tochter ist.

An den feschen jungen Männern liegt das nicht. Die können wundervoll singen. Nur das Feuer ist doch ziemlich heiß und die jungen Männer haben auch einiges gebechert, glaube ich.

Schließlich ist das Feuer niedergebrannt und die Menge verzieht sich zum Konzert im Haus.

Die Musik ist übrigens ganz ordentlich und man kann sogar ein bißchen darauf tanzen.

Unglaublich, was man an einem Tag alles erleben kann. Langsam bekomme ich weiche Knie.

Wir schlendern also zurück durch den spärlich beleuchteten Ort, so gegen halb Eins. Morgen soll es hier ein Eselrennen geben.

Das Café Les Cascades hat geschlossen, aber Hunger habe nun selbst ich nicht mehr.

Gott sei Dank können die zwei morgen ausschlafen. Bonne nuit!

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