Nach einem meiner Erinnerung entfleuchten Frühstück in der Refuge, an die ich mich nicht so recht erinnern mag (es saßen am Nebentisch zwei Regierungsbeamte in Uniform und mit wichtigem Gesicht) brechen wir auf. Ein Blick zurück: Oh mein Gott, da rechts oben ist der Pass, von dem wir gestern abgestiegen sind!

Es geht auf der selben Straße weiter, auf der wir gestern gekommen sind. Wo sonst? Es gibt ja sonst keine und zunächst auch keinen Wanderweg.

Dieser lässt allerdings nicht lange auf sich warten und begrüßt uns mit einem merkwürdigen Schild, das man nur vom Wald aus lesen kann.

Die Route ist aber sehr hübsch und führt am Fluss entlang. Es gibt ein paar Bremsen, die auf Wanderer lauern, aber nicht wirklich viele.

Dafür lauern haufenweise Delikatessen am Wegesrand. Dutzende! Ach was, Hunderte!

Und wieder erweist sich der Blechnapf als DAS wichtigste Ausrüstungsstück. Aber das hatten wir ja schon.

Und im Grunde könnte man die Beeren natürlich auch gleich da reinsammeln, wo sie ohnehin letztlich hingehören.

Ein Edelweiß zu pflücken sparen wir uns natürlich. Wir haben ohnehin keinen Filzhut dabei, zum anstecken, und an einer Baskenmütze sieht das nicht so gut aus.

Irgendwann erreichen wir eine alte Sportanlage mit Fussballplatz und Duschen. Auch einen Schlauch mit sonnenwarmem Wasser gibt es, der trotzdem etwas erfrischt.

Kurze Zeit später entdecken wir eine riesige Quelle, in der ein ganzer Bach aus dem Berg zu quellen scheint. Ein beeindruckendes Schauspiel, das man direkt (mit dem Blechnapf – aber lassen wir das) trinken kann.

Auch jede Menge Wasserpflanzen und Moos gedeien hier. Wir ziehen die Schuhe aus und tapsen ein bißchen im kühlen Nass herum.

Dann, hauruck … säcke geschultert und weiter geht es. Man merkt, dass so ein bisschen der Dampf raus ist, jetzt wo wir entschieden haben die Tour zu beenden.

Ein wehmütiger Blick zurück zum frischen Nass … ich glaube, ich werde schon jetzt sentimental.

Überall wachsen wunderschöne Orchideen. Es ist eine herrliche Reisezeit. Kaum Gewitter, nicht zu heiß und alles blüht.

Naja, wenn ich mir die Wolken so anschaue, vielleicht war es doch eine weise Entscheidung die Berge zu verlassen.

Plötzlich taucht das kleine Bielsa zwischen den Bäumen auf. Wir haben es fast geschafft.

Eine verrostete Tafel berichtet von dramatischen Ereignissen während dem Bürgerkrieg.

Wir machen uns an den Abstieg. Es geht durch einen grünen Urwaldpfad und unter der Erde scheint ein Wasserkanal entlang zu laufen.

Man sieht nicht viel, aber es ist sehr hüsch und sehr grün.

Um 14 Uhr erreichen wir Bielsa. Gleich am Eingang ein hübscher Landrover, den ich jetzt gerne klauen würde um schnell weiterzukommen.

Stattdessen gehen wir ins Dorfzentrum und suchen die Touristeninformation, die aber geschlossen ist: Siesta.

Dafür gibt es endlich was zu essen: Lammkotelett mit Pommes frites, Fisch und dazu eine Clara limon, auch wenn Silke noch immer nicht glaubt, dass es sowas gibt. Sie trinkt lieber gleich einen Rosé.

Ich lasse mir das Lamm schmecken, wie man sieht …

… und Silke ist hoch erfreut über die Qualität des Fisches, wie man ebenfalls sieht.

Ich glaube, sie ist satt und glücklich. Jedenfalls sieht sie erholt aus, finde ich.

Am Ortsausgang in einem Souvenir entdecken wir plötzlich den Bär und das Pferd. Na das kann kein Zufall sein! Wir sind uns sofort einig und kaufen das Souvenir.

Die Frage ist, ob uns so noch einer mitnimmt in Richtung Ainsa – wo vielleicht ein Bus in Richtung Lleida fährt.

Die Sorge ist völlig unbegründet. Ich halte den Daumen raus und das erste Auto hält. Zwei sehr nette Spanier nehmen uns mit bis Ainsa und wir unterhalten uns prächtig. Kofferraum sitzen zwei Hunde, die mit dem Schwanz wedeln und freundlich gucken.

In Ainsa wird es etwas komplizierter, denn es fährt kein Bus mehr heute. Da gibt es zwar ein Hotel, aber wir wollen weiter.

Mal sehen, ob das nochmal klappt mit dem Autostopp – trotz Bär und Pferd.

Und wieder kein Problem. Nach wenigen Minuten hält, man glaubt es kaum, mein Lieblingsauto: ein Landrover. Die jungen Leute, die in einer Kommune aufgewachsen sind, fahren extra einen Umweg, um uns zum nächsten Busbahnhof nach Barbastro zu bringen.

Wir sitzen hinten drin, zwischen Autobatterien und Gemüse und schauen uns die Landschaft an. In Abizanda, einem kleinen Dorf nahe dem Stausee von Mediano, halten die beiden Baumpfleger, die ihren Lebensunterhalt mit der Pflege von Olivenbäumen verdienen, um an ihrem Haus das Gemüse in den Kühlschrank zu legen. Es gibt über den Ort eine ausführliche Webseite auf Aragonisch.

Die restliche Reise diskutieren die beiden (eher sie, er ist ziemlich still) mit Silke über die Mundräuber in Deutschland und andere Commons. Die Fahrt ist sehr kurzweilig und endet direkt am Busbahnhof von Barbastro.

In diesem ist es kühl und leer. Wir kaufen ein Ticket nach Lleida und beschliessen, die verbleibende Stunde mit einem Besuch der Kirche zu füllen.

Die Busstation ist nicht zu übersehen und ziemlich zentral gelegen.

Zur Kathedrale sind es daher nur ein paar Meter. Das Eingangstor ist beeindruckend und vor allem offen.

Auch im Inneren der Kirche ist es sehr schön. Das Gewölbe ist so spektakulär, dass ich mindestens zehn Fotos davon mache.

Wessen Gebeine hier ruhen kann ich nicht erinnern, aber es scheint eine wichtige Persönlichkeit gewesen zu sein.

Alles hier drinnen wirkt sehr spirituell und man hält den Atem an, um nicht zu stören – dabei ist außer uns kein Mensch hier.

Über allem tront eine Kuppel, wie ich sie noch nie gesehen habe. Was ist das für ein Material? Gipsstuck?

Am Ausgang hängt eine genauere Beschreibung und Silke hat versprochen 😉 sie demnächst mal zu übersetzen.

Dann müssen wir uns sputen. Es bleibt noch Zeit für ein Selbstportrait im Spiegel.

Dann eilen wir zurück durch den Park zur Estacion de Autobuses. Ist das nicht ein schöner Brunnen?

Dort trinken wir – jawoll – ein Coca Cola! Warum?

Nun ja, es ist 19:29 Uhr.

Und das Termometer zeigt 39°C. Das ist Grund genug für ein Cola mit Eis.

Die Schlepperei ist vorbei. Die Wanderschuhe hängen am berühmten Nagel. Schade eigentlich.

Der Bus ist da. Einsteigen und einschlafen.

Unterwegs gelegentlich die Augen öffnen. Ein Weingut im Guggenheim-Stil. Wir fahren durch das Somotano.

Um 21:15 Uhr erreichen wir den Busbahnhof von Lleida … doch was wir hier noch erleben, verdient ein eigenes Kapitel.

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