Bei der Ankunft in Lleida ist meine Laune auf einem Nullpunkt angelangt, vielleicht einfach, weil die schöne Tour vorüber ist und die Pyrenäen nun schon eine Ewigkeit hinter uns zu liegen scheinen.

Auch die Störche auf dem Dach der Katthedrale können mich nicht aufheitern, mir ist nicht nach Wiedergeburt.

Da wir kein Hotel finden, es ist ein wissenschaftlicher Kongress über das Mittelalter in der Stadt, werde ich unausstehlich (es gibt leider keine andere Interpretation) und werde schliesslich mit Sack und Pack auf irgend einer Parkbank abgesetzt, um das Gepäck zu bewachen.

Natürlich dauert es nur ein paar Minuten, in denen ich schon von einer Nacht auf der Parkbank träume, bis Silke ein wunderbares Zimmer im Hostal Mundial findet, mitten im Stadtzentrum.

Kurz darauf ziehen wir nochmal los. Seu Vella ist hinter einem merkwürdigen Neubau verborgen, der sich als bstreng bewachter Justizpalast entpuppt.

Mit Hilfe von drei kolumbianischen Touristen gelingt es uns den Eingang zu finden, direkt an einer Treppe, auf der zwei Afrikaner mit dem Kopf nach unten scheinbar mühelos 100 Liegestützen machen. Ein spannender Ort, ich habe Hunger.

Unbeeindruckt von meinem Wehgeschrei dringt Silke immer tiefer in die nächtliche Festung ein.

Was ist das eigentlich? Festung? Kirche? Kloster?

Wir geniessen den Blick hinunter in die nächtliche Stadt und verlassen dann den interessanten Ort gemeinsam mit einem Nachtwächter.

Er geleitet uns geheimnisvolle Treppen hinunter und erklärt, dass die Stufen im viel zu flach sind.

Dann entlässt er uns in irgendwelche kühlen Katakomben, in denen man sicherlich leicht verhungern kann. Mir knurrt der Magen.

Siehst du, wie romantisch die beiden da oben auf dem Balkon zu Abend essen? Sicher haben alle Restaurants schon geschlossen.

In einer wunderbaren Tapasbar hat das Gejaule dann endlich ein Ende. Es gibt Kartoffeln mit wunderbarem Schinken, Tintenfisch und eine Schokoladenpyramide, bei der mir jetzt noch das Wasser im Munde zusammenläuft.

Die Schinken, ok, und die Clara limon und der Rosé …

Aber die Schokoladenpyramide! Einfach unschlagbar. Hmmm ist das lecker.

Wir wandern heim, durch die nächtliche Stadt. Aus flimmernd erleuchteten Fenstern schallt afrikanische Musik.

Die Plätze sind jetzt leer und naß. Hat es geregnet?

Da ist ja endlich das Hotel und nein, es hat nicht geregnet. Es ist die Stadtreinigung mit einem langen Schlauch.

Schlüssel abholen, in der Recepció und dann hoch in den 4. Stock.

Ein wunderschönes Treppenhaus.

 

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